Ansprache bei der Verabschiedung von Dr. Hermann Barth

Pater Dr. Hans Langendörfer SJ

02. Dezember 2010

Hermann Barth ist ein Vierteljahrhundert lang für die Evangelische Kirche in Deutschland tätig gewesen und genauso lang zwar nicht für die Deutsche Bischofskonferenz, wohl aber in besonderem Kontakt mit ihr. Mal mehr zu seiner Freude, mal mehr zu seinem Leidwesen. Die intensive Zusammenarbeit begann schon zu seiner Zeit als Referent für Fragen öffentlicher Verantwortung (1985-1993), während der wir beide, lieber Herr Barth, uns vermutlich erstmalig begegneten, weil ich zu dieser Zeit für die deutschen Bischöfe in Fragen der Friedensethik unterwegs war. Es folgten die Jahre als Vizepräsident (1993-2006) und als Präsident des Kirchenamtes.

Wenige von Ihnen, verehrte Anwesende, kennen deshalb so gut wie Dr. Barth die Stärken, die Vorzüge, den Charme und das Liebenswerte der katholischen Kirche und ihrer Verantwortlichen – und, falls es das geben sollte, auch ihre Schwächen. Wenige ahnen so kenntnisreich und realitätsbezogen, dass auch (!) bei uns die Dinge nicht immer ganz glatt und glanzvoll laufen. Ich darf deshalb jetzt ein erstes Mal öffentlich einräumen, was ich kürzlich beim jährlichen Treffen von Kirchenamt und Sekretariat der Bischofskonferenz noch vertraulich behandeln musste: Wir denken aktiv darüber nach, Herrn Barth einen Beratervertrag anzubieten. Wir wollen ihn als unseren bevorzugten „Fremdpropheten“ gewinnen.

Freilich müssen wir befürchten, dass seine unüberwindliche und unbeirrbare Liebe zum Protestantismus und seine eigenwillige Prioritätensetzung aus diesem Projekt nichts werden lassen. Schade eigentlich, denn wir haben alles getan, um ihn auf den guten Geschmack zu bringen. Selbst das „Annuario Pontificio“, das jährlich neue „Who is Who?“ des Vatikans haben wir ihm geschenkt – und er hat es auswendig gelernt. Wir haben ihn zu manchen Besuchen nach Rom geholt und er hat diese Tage in anregenden Gesprächen und Tischrunden mit Kardinälen und kurialen Würdenträgern verbracht und hoffentlich genossen.

So bleibt mir vorerst nur die rückschauende Frage: Was hat die Zusammenarbeit mit Hermann Barth für uns so gut gemacht? Ich nenne vier Details.

  • Das Engagement für das Gemeinsame: Dr. Barth weiß um die fundamentalen Gemeinsamkeiten der Kirchen. Er hat ein klares Urteil über die Wichtigkeit des gemeinsamen Zeugnisses der Kirchen. Er kann geben und nehmen, sein Judiz ist ruhig, klug und abgewogen (also: gut katholisch …).
  • Die konfessionelle Verankerung: Manchmal ist der – dann als intransingent wahrgenommene - Katholizismus Herrn Dr. Barth zum Ärgernis geworden. „Dominus Iesus“ etwa und besonders dessen ekklesiologische Festlegungen hat er kaum aushalten können und als kränkend empfunden. Bei der Frage der moderaten Revision der „Einheitsübersetzung“ kam er ans Ende der Kompromissfähigkeit. Man kann darüber unterschiedlich denken. Auf jeden Fall aber gilt: Wir haben ihn als „Protestanten ohne Falsch“ erlebt – und das war gut so.
  • Die menschliche Größe: Dies alles nämlich kam nicht in Gestalt einer Krämerseele daher, sondern mit menschlich angenehmer, vornehmer Wesensart. Dr. Barth ist kein Taktiker im beklemmenden Sinn des Wortes, sondern eine evangelische Persönlichkeit, die für ihre Angelegenheit zivilisiert und kultiviert eintritt.
  • Die spirituelle Klarheit: Mit Hermann Barth kann man – bisweilen grundsätzlich, mal augenzwinkernd und in der Geste wechselseitiger Großzügigkeit – über den Glauben reden. Er hat Freude daran, den Glauben im Detail der täglichen Arbeit zu identifizieren. Er interessiert sich für die katholischen Traditionen und hat mir viel vermittelt von den evangelischen Liturgie- und Liedtraditionen und von seiner Liebe zur Bibel.

Für die gemeinsamen Jahre gibt es viele Beispiele des Guten und Gelungenen. Ich verzichte darauf, sie aufzuzählen. Vielmehr will ich - im Auftrag des Vorsitzenden unserer Bischofskonferenz, namens vieler deutscher Bischöfe und im eigenen Namen – alles bündeln in eine einzige, herzlich empfundene Geste: unseren Dank für Ihren persönlichen und Ihren beruflichen Einsatz.

Der dankenden Hand nahe ist aber auch die offene Hand der Begrüßung für Sie, Dr. Anke und Dr. Gundlach und auch Dr. Thiele, mit denen wir künftig derselben Aufgabe entsprechen wollen: die Ökumene unserer Kirchen zu stärken. Wir kennen uns aus vielfachen Begegnungen der vergangenen Jahre (GZSZ …) und stehen mitten im Prozess der vertieften, wechselseitigen Annäherung. Wir kommen, glaube ich, beiderseits aufeinander zu mit sehr viel Offenheit und positiver Neugier. Dafür danke ich Ihnen. Wir im Sekretariat der Bischofskonferenz sind sehr zuversichtlich, dass wir in diesen nicht immer leichten Zeiten gut miteinander voranschreiten werden. Auch namens unseres Vorsitzenden wünsche ich Ihnen Gottes Segen für den Start in Ihrer neuen Verantwortung!

Als Herr Barth, wie schon erwähnt, kürzlich mit den leitenden Personen des Kirchenamtes zur  Jahresbegegnung mit dem Sekretariat der Bischofskonferenz bei uns in Bonn war, haben wir ihn mit einem festlichen Abendessen verabschiedet. Es gab auch ein Geschenk, von dem ich dachte, es sei besonders originell: eine Flasche Single Malt. Sie sollte Ihre Phantasie beflügeln beim Nachsinnen über Gewesenes und jetzt neu Mögliches. Das wurde verstanden. Wir mussten allerdings erfahren und haben herzlich darüber gelacht, dass es fast nichts Schottisches gibt, das Sie in diesen Wochen nicht erhalten haben. Deshalb überreiche ich Ihnen heute, lieber Freund, ein Geschenk, von dem ich sicher sein kann, dass es sonst absolut keiner ausgewählt hat, und das zudem sehr schicklich ist: das neue Buch vom Papst „Das Licht der Welt“. Dieses Licht leuchte Ihnen hell und wärmend in den kommenden Jahren, auf dass Sie im Wort des Te Deum sagen können: „In te speravi, domine. Non confundar in aaeternum.“ „Auf dich, Herr, habe ich mein Vertrauen gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.“