Worte zur Verleihung der Martin Luther-Medaille 2010 in der St. Lorenz-Kirche in Nürnberg

Nikolaus Schneider

31. Oktober 2010

Es gilt das gesprochene Wort.

„Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.“

Diese Worte stehen auf der Rückseite der Martin Luther-Medaille, von der Sie alle ein Bild im heutigen Programmheft sehen können. Und die ich gleich im Original an die drei diesjährigen Preisträgerinnen verleihen werde. Warum es gerade diese drei Frauen sind,  die die Medaille erhalten, haben Herr und Frau Beckstein gerade in wunderbarer Weise so ausgeführt, dass ich dazu kein Wort ergänzen muss. Doch gestatten Sie mir ein Wort zur Martin Luther-Medaille selbst.

Kirchliches Engagement darf nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden und sollte entsprechend gewürdigt werden. Als öffentlich wahrnehmbares Zeichen der Würdigung von herausragendem Engagement für den deutschen Protestantismus hat deshalb der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland beschlossen, jährlich bis zum Reformationsjubiläum 2017 mit der Martin Luther-Medaille Menschen zu würdigen, die haupt- oder nebenamtlich ihre Kraft, ihre Zeit und ihre Leidenschaft in herausragender Weise in den Dienst ihrer Kirche gestellt haben und stellen. Als öffentlich wahrnehmbares Zeichen der Würdigung von herausragendem Engagement dokumentiert die Medaille, dass eine lebendige, einladende Gestalt von Kirche des Engagements ihrer Mitglieder bedarf, und dass das Engagement für die Kirche unterschiedliche Formen und Gestalten annehmen kann. Im Jahr 2008 war es Klaus-Peter Hertzsch, der sie in Berlin erhielt, im Jahr 2009 nahm sie Richard von Weizsäcker in Emden entgegen.

Preisträgerinnen sind in diesem Jahr zu gleichen Teilen Astrid Hahn, Barbara Lambrecht-Schadeberg und Cornelia Schäfer. Sie alle haben in ihrem Beruf und ihrem Leben das praktisch umgesetzt, was der Patron des Themenjahres „Reformation und Bildung“ Philipp Melanchthon so formuliert hat: „Denn dazu insbesondere sind die Menschen erschaffen, dass sie einander über Gott und über das Gute unterweisen. Dafür hat Gott ihnen die Sprache gegeben. Deshalb steht außer Frage, dass dasjenige Leben, das sich in Lehren und Lernen entfaltet, das überhaupt Gott wohlgefälligste ist.“

Liebe Frau Hahn, liebe Frau Lambrecht-Schadeberg, liebe Frau Schäfer, Sie alle haben gezögert, die Medaille anzunehmen. „Warum gerade ich? – es gibt doch so viele andere, die sich doch eigentlich viel mehr für die Bildung in unserem Land und in unser Kirche verdient gemacht haben!“ Und Sie haben ja Recht. Es gibt so viele andere Menschen, die sich in ihrem Beruf und ihrem Leben der Erziehung und der Bildung gewidmet haben, viele evangelische Christinnen und Christen, die „einander über Gott und das Gute unterweisen“. Es gibt sie in unserer ganzen Kirche und in unserem ganzen Land – und einige von ihnen sind auch heute in der St. Lorenz-Kirche in Nürnberg versammelt. Meine Bitte ist es, dass Sie drei die Medaillen auch exemplarisch entgegennehmen für alle anderen, die sich aus ihrem evangelischen Glauben heraus für die Bildung engagieren.

Und doch: Ist nicht gerade Ihr Zögern, sie entgegenzunehmen, ein untrügliches Zeichen dafür, dass gerade Sie es wert sind, die Martin Luther-Medaille zu erhalten? Spricht nicht aus ihm ein tiefes Verständnis für das Motto der Medaille, das ich eben zitiert habe? Ist nicht gerade in der Bildungsarbeit das Leben eben  „nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden“? Sind Martin Luthers Worte „Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber“ nicht gerade für Sie drei als Preisträgerinnen der nach ihm benannten Medaille ein Trost und eine Ermutigung? Wer wie Sie mit Kinder und Jugendlichen zu tun hat, weiß um die tiefe Weisheit von Luthers Worten: „Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.“

Es ehrt Sie, liebe Frau Hahn, liebe Frau Lambrecht-Schadeberg, liebe Frau Schäfer, dass Sie sich in Ihrem Beruf und in Ihrem Leben immer wieder nicht am Ende gewähnt, sondern auf dem Weg gemacht haben. Und diese Ehrung möchte ich nun sichtbar machen, indem ich Ihnen ein Exemplar der Medaille und die dazu gehörige Urkunde überreiche.