5. Tagung der 11. Synode der EKD

Timmendorfer Strand, 1. bis 7. November 2012

Grußwort der Stadt Timmendorfer Strand

Bürgermeisterin Hatice Kara

04. November 2012

Hatice Kara

Vielen Dank erst einmal! Leider haben wir den Status einer Stadt noch nicht erlangt. Aber wenn Sie es schon vorhersagen, dann eilen wir dorthin.

Hohe Synode, sehr geehrte Frau Präses Göring-Eckardt, sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Präses Schneider, liebe Mitgäste, sehr geehrter Herr Ministerpräsident Albig, meine sehr geehrten Damen und Herren! Herzlich willkommen in Timmendorfer Strand, hier bei uns! Ich freue mich herzlich, dass Sie Ihre Synodentagung bei uns abhalten, nach zehn Jahren wieder einmal. Ich füge gleich an: Behalten Sie diesen Takt gerne bei.

Denn ich bin jung und freue mich auf ein Wiedersehen.

2022, 2032 usw.

Seit dem 1. Juli bin ich direkt gewählte Bürgermeisterin in Timmendorfer Strand. Sie haben es schon gesagt: Weil ich türkische Wurzeln habe und liberale Muslima bin, hat es um mich viel Aufhebens in der Öffentlichkeit gegeben. Fast eine symbolische Aufladung. Davon halte ich nicht so viel, und im  Ort hat es kaum eine Rolle gespielt. Hier ist man geübt in Gastfreundschaft und Weltoffenheit.

Es hat mir aus der Seele gesprochen, als mein christlicher Verbündeter  vor Ort, Ihr Pastor Professor Thomas Vogel, in einer Zeitungskolumne geschrieben hat: „Neue Normalität“. Und er hat auch eine neue Gleichung aufgemacht: Mehr Kara ist gleich weniger Sarrazin.

An dieser Stelle vielen Dank, lieber Thomas!

Die zuverlässigste Unterstützung, die klarste Wertschätzung habe ich neben der aus meiner Partei aus der Evangelischen Kirche vor Ort erfahren. Hier herrscht eine Kultur der Gastfreundschaft, eine Kultur der Freiheit vor dem weiten Horizont der Lübecker Bucht. Es gibt zuverlässigen Widerspruch gegen Ressentiments, eine weltoffene Dialogbereitschaft, eine ausgeprägte Demokratie und Frauenfreundlichkeit. Ihre evangelische Kirche ist stark und prägend.

Dass ich vor zwei Monaten bei einem Open-Air-Gottesdienst mit Pastor Vogel eine Sure aus dem Koran und das Sonntagsevangelium im Neuen Testament gelesen habe, hat sogar in der türkischen Presse ein starkes positives Echo gefunden. Die große Tageszeitung „Hürriyet“ widmete diesem Beispiel an gegenseitigem Respekt eine ganze Spalte. So weit sind wir hier in Timmendorfer Strand.

Über solches Gelingen in einer neuen Normalität wird leider viel zu selten gesprochen  und geschrieben. Ich wünsche Ihnen, dass diese herrliche Bucht auch Ihre weiteren Beratungen trägt, dass der weite Horizont Sie in den Pausen erfreut und stärkt. Ein kurzer Strandspaziergang, und Kopf und Seele sind wieder frei. Versprochen.

Schön, dass morgen die Frau Bundeskanzlerin zu Ihrer Synode zu uns nach Timmendorfer Strand kommt. Das ehrt auch unseren Ort. Ich freue mich, dass Sie den Abschlussgottesdienst in unserer Timmendorfer Waldkirche feiern werden. Ich freue mich, wie gesagt, auf das Grußwort 2022 und darauf, viele von Ihnen auch zwischendurch hier begrüßen zu können. Denn Timmendorfer Strand ist immer ein lohnendes Ziel, und das zu jeder Jahreszeit.

Vielen Dank, dass Sie mich eingeladen und mir zugehört haben. Der eine Gott segne Ihre Synode und uns alle. Vielen Dank.